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Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib. (Hebr 13,3)
Warum gerade ich? Diese Frage hat sich eine Person in der Bibel gestellt, die mir direkt bei dem Monatsspruch in den Kopf gekommen ist. Es handelt sich um Joseph.
Joseph, der von seinem Vater so geliebt wurde, dass seine Brüder einen Plan gegen ihn schmiedeten und ihn in eine Grube warfen. Er begegnete einer Karawane und wurde von ihnen nach Ägypten verkauft. Ihrem Vater brachten die Brüder das mit dem Blut eines Ziegenbocks getränkte bunte Gewand und trösteten ihn in der Trauer um den Verlust seines geliebten Sohnes.
Und auch in Ägypten erging es Joseph nicht gut. Er wurde aufgrund eines Skandals, den die Frau des ägyptischen Beamten Potifars ihm anhängte, ins Gefängnis geworfen. Und genau daran denke ich oft, an dieses Gefühl des Josephs, als er dort im Gefängnis saß. Hatte er nicht alles verloren? Er muss furchtbar einsam im Gefängnis gewesen sein, inmitten von Ratten und auf einem Strohbett, auf dem das Schlafen fast unmöglich erschien. Und er konnte ja nichts dafür. Er hatte sich nie über seine Brüder gestellt, um die Gunst seines Vaters zu erhalten. Er hatte sich nicht an der Frau des Potifars vergangen, die in ihn verliebt war und ihn deshalb ins Gefängnis werfen ließ. Muss er sich nicht gedacht haben: Warum gerade ich?
Und ich frage noch einmal: Wieso geschah ihm das alles, obwohl er nichts getan hatte? Es stieß ihm zu, er konnte ja nichts dafür. Aber Joseph konnte. Er konnte sich mit dem Menschen aus dem Gefängnis verbrüdern. Er konnte durch seine Traumdeutung dem Pharao die Hungersnot vorhersagen und aus dem Gefängnis kommen, um später sogar mit am Tisch des Pharaos zu sitzen. Selbst als er seine Brüder wiedersah und sich ihnen zu erkennen gab, konnte er ihnen vergeben. Genau deshalb ist diese Geschichte so bedeutsam. Wir können, ich kann. Mit Gott an meiner Seite bin ich nicht machtlos und Sie, die gerade diese Zeilen lesen, sind es auch nicht. Wir leben in unserem irdischen Leib und wir sind trotz allem nicht machtlos. Wir können und wir dürfen mit Gottes Hilfe.
Ich möchte mit einem kurzen Gebet schließen:
Gott, wir sind Gefangene in unseren Körpern. Wir denken, uns stößt etwas zu, wir denken, wir können nicht weiter als das Unglück, das uns widerfährt. Gott, wir können. Gib uns die Kraft, Gefangene zu befreien und Misshandelten zu helfen. Befreie uns und hilf uns. Wir Menschen alle sind eins in unserem Geist, in dir. Nimm jeden von uns an die Hand und zeig uns, wie es geht, trotz aller Schwäche können zu können. Amen
Deborah Gerwin

