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Frau Bülbül ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwei und fünf Jahren. Seit 2012 ist sie ausgebildete Lehrerin. In ihrem Referendariat war sie zwei Jahre in Marzahn tätig. Dort hatte sie viel mit verhaltensauffälligen Schülern zu tun. Auch die verschiedenen Herkunftsländer der Schüler machten das Schulleben nicht einfacher. Aber an ihrem Wunsch, Lehrerin zu werden, änderte das nichts. So freute sie sich sehr auf die Alfred- Nobel-Schule. Es ist eine integrierte Sekundarschule mit vielen unterschiedlichen Nationalitäten. Hier wird der Tag nicht langweilig, viele neue Herausforderungen warten, aber Yasemin ist gut vorbereitet. Sie ist Klassenlehrerin einer 7. Klasse und hat ihre Schüler und Schülerinnen sehr gern. Die Frage nach Hobbys hat sie mit einem Lächeln beantwortet: Keine Zeit, die Kinder nehmen ihre Zeit voll in Anspruch, in der Schule und dann auch zu Hause. Sollten irgendwann doch noch einige Minuten abfallen, dann würde sie gern ein schönes Buch lesen und dabei entspannen. Aber wer weiß, vielleicht klappt es ja in den Ferien. Yasemin Bülbül ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Sie empfindet sich als Berlinerin, obwohl sie ihre türkische Herkunft Yasemin Bülbül, Ethiklehrerin nicht missen möchte. Sie bezeichnet sich selbst als „Lokalpatriotin“ Auf die Frage: was ärgert dich an der Türkei und was an Deutschland? antwortete sie: die politische Lage in der Türkei und in Deutschland die Bürokratie. Was ist schön an Deutschland und an der Türkei? Die Mitmenschlichkeit, Wärme und schönes Wetter sind wirklich fantastisch in der Türkei und die Ordnung, die Regelmäßigkeit, das Freiheitsgefühl sind für Deutschland unübertroffen. Yasemin liebt ihre Heimat, aber sie ist auch eine echte Berlinerin, so dass auch hier ihre Heimat ist. Viele Verwandte leben noch in der Türkei, aber ihre Eltern leben in Berlin, so dass sie nicht so oft in die Türkei fliegt. Interessant ist auch, wie die Kinder in der Familie Bülbül erzogen werden, natürlich zweisprachig. Yasemin spricht oft mit den Kindern türkisch, aber das mehr zu Hause. Sie hat keine Lust auf Diskussionen mit den deutschen Mitbürgern in einigen Bezirken, warum sie nicht deutsch sprechen würde, sondern türkisch? Ihre Kinder sprechen sowieso lieber deutsch, aber sie sorgt dafür, dass die türkische Sprache auch gelernt und gesprochen wird. So verhält es sich auch mit dem Glauben. Die Kinder werden islamisch erzogen, aber die Weltreligionen werden ihnen nicht vorenthalten. Gemeinsam feiern sie das Ramadanfest mit einem Ramadankalender. Sie leben nach den islamischen Glaubensregeln, aber nicht im radikalen Sinne! Sie versuchen die allgemeinen Regeln des Miteinanders im Sinne Allahs zu leben und zu ehren. Wie auch Christen die Dankbarkeit, das Vertrauen, die Demut als von Gott gewollte Menschenpflicht ansehen und demjenigen helfen, der Hilfe benötigt. Durch ihren Beruf kann Yasemin diese Dinge auch gut weitergeben – im Fach Ethik wird ja über das menschliche Zusammenleben gesprochen. Auch über die unterschiedlichen Geschichten in den Glaubensrichtungen hinweg kann sie verschiedene Themen wie Freundschaft, Partnerschaft, das Miteinander den Schülerinnen und Schülern nahe bringen. Und auch mir macht es Freude, wenn wir beide miteinander über all die Kulturen der Welt reden. So manche Diskussionen werde ich Ihnen nicht vorenthalten. Yasemin Bülbül wünsche ich weiterhin so viel Engagement und Offenheit wie bisher und bedanke mich für das Interview.

Ihre Monika Hansen



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