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Martin, dem man sein sportliches Interesse ansieht, entschuldigt sich wortreich für die mit Kindersachen voll gestopfte Garderobe. Ich aber fühle mich sofort wohl in diesem Haus, in dem Kinder offensichtlich gern gesehen werden. Als stolzer Hausherr führt mich Martin herum und ich merke schnell, dass hier eine Familie mit Kindern nicht nur wohnt, sondern auch lebt. Auch der Garten ist kinderfreundlich gestaltet. Seine beiden zauberhaften Töchter, wie er stolz erwähnt, (10 und 14 Jahre alt) die noch ihre Herbstferien genießen, stellt er mir bei der Besichtigung des Hauses auch vor. Offensichtlich habe ich hier einen begeisterten, begabten Handwerker vor mir, der keine Arbeit scheut, sein Haus noch schöner und funktionstüchtiger zu machen. Die eigenständig hergestellte Erweiterung seines Hauses durch einen Anbau ist beeindruckend. Er führt mich nun zum Esstisch mit Ausblick auf den Garten, wo schon Kuchen und Getränke bereit stehen. Da wir „Kollegen“ beim Kirchdienst sind, beschließen wir, uns zu duzen. Ich bin jetzt neugierig auf die Geschichte seines Lebens, die ich, denke ich, gleich hören werde. Statt dessen schiebt er mir ein Papier zu, auf dem er, gründlich wie er ist, seine Informationen für mich schon vornotiert hat. Ich beginne zu lesen und erfahre nun, dass er 1974 im damaligen Klinikum Steglitz als Martin Jahn geboren wurde. Getauft wurde er in der Paul-Schneider-Gemeinde. Konfirmiert hat ihn Eckhard Park in Marienfelde. Er ist in einer sehr behüteten Familie mit einem acht Jahre älteren Bruder aufgewachsen. Die hat er erst verlassen, als er seine spätere Frau kennen und lieben gelernt und mit ihr eine eigene Wohnung bezogen hat. Fast 25 Jahre sind sie jetzt schon zusammen. Im Jahr 2000 wurden die beiden von Pfarrerin Ute Young in unserer Dorfkirche getraut. Er hat den Nachnamen seiner Frau angenommen. Als Grundschüler ist er auf die Steinwald-Schule gegangen und ist danach auf die Solling-Oberschule gewechselt. Im Anschluss hat er eine Lehre als Metallbauer mit der Fachrichtung Konstruktionstechniker begonnen. Nach Beendigung dieser absolvierte er noch einen Meisterkurs, den er erfolgreich abschloss. Nun kam die Bundeswehr ins Spiel, für die nach dem Fall der Mauer auch die Westberliner Jugend eingezogen wurde. Nach Neumünster wurde er geschickt und sah sein Zuhause nur noch an Wochenenden. Beruflich machte er sich als Metallbauer bald selbständig und arbeitete als Subunternehmer für eine große Firma. Als Selbständiger hat man es nicht immer leicht, weil durch die unterschiedlichen Aufträge auch das Einkommen variiert. Irgendwann klappte es mit der Firma nicht mehr. Abgesehen von der Veränderung der Kundenlage spielten allgemeine wirtschaftliche Veränderungen eine Rolle, und er hat auch, wie er freimütig zugibt, Fehler gemacht. In dieser Zeit starb seine Mutter im Alter von 61 Jahren an Krebs. Der enge Zusammenhalt der Familie, seine Frau, seine Kinder, aber auch sein großer Bruder, der ebenfalls mit seiner Familie in Marienfelde wohnt, haben ihm geholfen diese schlimme Zeit zu überstehen. Ihren Tod hat er bis heute nicht überwunden. Immer wieder betont er das gute Familienklima, dass nicht zuletzt seinen Eltern zu verdanken ist. Die beruflichen Veränderungen führten ihn letztendlich zur Evangelischen Schule Neukölln. Dort wurde ein Werkstattleiter gesucht. Die Aufgabe besteht darin, für das Fach WAT (Wirtschaft-Arbeit-Technik, früher Arbeislehre) die Werkstatt zu betreuen und für den Unterricht herzurichten. Dazu gehört natürlich auch die Betreuung und Anleitung der Schüler während des Unterrichts. Martins Bewerbung war erfolgreich und – er hat seinen Traumjob gefunden! Besonders der Umgang mit den Schülern macht ihm großen Spaß. Im privaten Bereich wurde seine älteste Tochter zum Konfirmandenunterricht angemeldet und besuchte nun häufig den Gottesdienst in der Dorfkirche. Oft begleitete er sie und bekam so wieder Kontakt zur Kirche. Als Pfarrerin Ulrike Senst-Rütenik dann einen Aufruf für das Amt des Kirchdienstes startete, folgte er diesem. Seitdem ist er sonntags oft beim Kirchdienst in der Dorfkirche anzutreffen. Er merkt jetzt, wieviel ihm die Kirche und der Glaube an Gott seitdem bedeuten. Sie haben ihm nicht zuletzt über schwere Zeiten hinweggeholfen. Er bezeichnet es als göttliche Fügung, die ihm diesen Weg aus privaten und beruflichen Rückschlägen gezeigt hat. Aus seinem Glauben hat er viel Kraft zur Überwindung seiner Schicksalsschläge gewonnen. Als Folge des Lektorenkurses, den er jetzt macht, möchte er die zweieinhalbjährige Ausbildung zum Prädikanten beim Kirchlichen Fern-Unterricht (KFU) anschließen. Er hofft, dass er das Examen besteht, um dann selbständig Andachten zu halten und für unsere Gemeinde auch in dieser Funktion tätig sein zu können. Unsere Pfarrerinnen unterstützen ihn dabei tatkräftig. Als er mir das Lernmaterial dazu zeigt, bin ich schwer beeindruckt, was er alles lernen muss! Neben seinem kirchlichen Engagement hat er aber natürlich auch Hobbys: Er kocht gern. (So ein Mann ist der Wunschtraum vieler Ehefrauen.) Regelmäßige Essenszeiten mit der Familie und ein kurzes Tischgebet sind ihm sehr wichtig und gehören besonders am Wochenende dazu. Bei seinen sportlichen Aktivitäten, auch im Vereinssport, hat er speziell beim Radfahren mit schon besonderen Erfolgen geglänzt. Sein neuestes Hobby ist ein Wohnwagen, mit dem er die Familie, nicht zuletzt in den vielen Ferien, die er nun als Mitarbeiter an einer Schule hat, in wunderschöne Urlausziele entführen möchte. Ich wünsche ihm viel Erfolg bei seiner Ausbildung und allem, was er vorhat!

Hildegund Fischer



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